Studienabbruch? Zwischen Veränderung, Verzweiflung und Mut.

Ja, ich habe mein Studium beendet. Ohne Abschluss. Warum? Faulheit? Talentlosigkeit? Überforderung? Kein Durchhaltevermögen?

Bist Du bescheuert?

Die erste Frage die ich mir selbst stellte, als ich mich gegen mein Studium entschieden habe. Schon nach der ersten Vorlesung habe ich in meinem eigentlichen absoluten Wunschstudium gemerkt: „Das Fach interessiert dich doch eigentlich gar nicht so“. Und „Ohje, dass habe ich mir aber anders vorgestellt“. Ich bin im ersten Semester ganz hart auf die Klappe gefallen. Auf dem Boden der Tatsachen habe ich dann aber doch nicht einsehen wollen, meinem Gefühl recht zu geben. Doch ich habe an meinem Traumberuf festgehalten und weiter gekämpft. Ich habe Lehramt studiert. Mit zwei Fächern von denen eins schon nach dem ersten Semester nicht zu mir passte. Aber das andere Fach, die Sprache, spiegelte mich so sehr wieder, dass ich unbedingt weiter machen und alles schaffen wollte. Die Motivation war da. Die Kraft auch, aber was ist dann passiert?

Das andere Fach passte einfach nie. Es ging nicht mehr. Es war zu langweilig. Das Gefühl „Du brauchst später im Berufsleben von dem Inhalt nicht mal 90 %“ und die Theorielastigkeit haben mich zum Umdenken bewegt. Obwohl ich den pädagogischen Anteil sehr gerne gelernt habe und mir bis vor einem Jahr den Beruf immer noch als den Job für mich vorstellen konnte, hatte ich mich dann für einen Fachwechsel entschieden. Leider ging das wegen dem NC nicht. So ist dann letztes Jahr mein Traum gestorben. Es ist an dem NC gescheitert. Mir selbst gebe ich dafür nicht die Schuld. Es liegt nicht an mir. Trotzdem hat es mich traurig gemacht.

Perspektivwechsel

Durch endlose Internetseiten, Ratgebern und co geklickt, habe ich mich dann zurück erinnert. An meine Kindheit, meine Schulzeit und die letzten Jahre. Mir hat das Studium keinen Spaß gemacht. Ich habe mich gefragt “ Was hat dir früher Spaß gemacht und was konntest Du gut? Was wolltest Du damals eigentlich werden?“. Meine Freundinnen in der Grundschule wollten – wirklich alle – Tierärztin werden. Soweit ich mich erinnern kann sind meine Berufswünsche von Prinzessin über Archäologin, Lehrerin und Polizistin zu Journalistin / Autorin gewandert. Im Endeffekt stand ich vor der Studienwahl zwischen der Entscheidung Lehramt und „Irgendwas mit Medien und Journalismus“. Leider ist letzteres in meiner nächsten Studienumgebung nicht so häufig zu finden, und ein Studium in weiterer Entfernung oder sogar im Ausland hätte ich mir bis vor wenigen Monaten nicht vorstellen können.

Liebe zur Heimat

Ich wollte hier einfach nicht weg. Ich liebe meine Heimatstadt so sehr, dass ich sie eigentlich nie wieder verlassen wollen würde. Wenn ich auf der Promenade an meinem alten Spielplatz, wo damals die Lokomotive stand und heute ein Flugzeug steht vorbei fahre, am Zwinger, am Schloss, durchs Kreuzviertel fühle ich mich Zuhause. Ich werde von dieser Stadt so stark angezogen, wie von keinem anderen Ort auf der Welt. Ich bin einfach unglaublich stolz Münsteranerin zu sein. Mich reizen Köln, Berlin oder andere schöne Städte überhaupt nicht. Ich will einfach in Ruhe über den Prinzipalmarkt gehen und meinen Kakao trinken, in den Arkaden einkaufen gehen und dann in der Seitenstraße mein Fahrrad suchen. Ich will bleiben. Aber ich kann nicht. Es geht nicht.

Obwohl ich mich gut informiert habe, habe ich keine Lösung gefunden in Münster bleiben zu können. Leider.

Neues Studium oder doch Ausbildung ?

Ich habe tatsächlich auch eine Ausbildung in dem Bereich „Medien“ in Betracht gezogen. Nur gibt es in der Umgebung leider nicht die richtige Ausbildung, die zu mir passt. Ich möchte mich nicht von Anfang an auf einen bestimmten Beruf festlegen müssen. Diesmal nicht. Alle Möglichkeiten sollen offen stehen und ich will im Laufe der Zeit mich entwickeln und feststellen in welche Richtung es gehen soll. Ich hatte mir dann vorgenommen viele Praktika zu machen, um rauszufinden, was ich wirklich will. Für viele Studiengänge im Bereich Medien hat mein NC leider auch nicht gereicht. Erneut große Verzweiflung. Ich habe mich dann aber trotzdem an verschiedenen Hochschulen beworben, nach dem Motto „Ich kann sagen, dass ich es wenigstens versucht habe“. Ab dem Zeitpunkt konnte ich mir einen Umzug auch vorstellen, denn wohin, wenn Du in deiner Stadt keine Zukunft hast ?

Die Entscheidung

Meine Bewerbungen schon fast vergessen, sind dann nach und nach Bescheide ins Haus geflattert. Zu meinem Erstaunen alles Zulassungen. Wo ich doch letztes Mal nur Ablehungsbescheide bekommen hatte. Der Gedanke “ Die nehmen mich“ – hat mich aus der Eisstarre geholt. Damals wusste ich noch nicht, dass mich eine Welle von Entscheidungen überrollen würde. „Kann ich wirklich gehen?“ , „Traue ich mir das zu?“. Erneute Zweifel, Bestärkung und Verunsicherung von außen haben mich zermürbt. Am Ende blieb nur noch meine eigene Entscheidung.

Challenge excepted!

Als ich meine Exmatrikulation in den Händen hielt ist ein 500 Kilo schwerer Stein von mir abgefallen. Trotzdem als ich realisiert hatte, dass ich keine Studentin mehr war, fühlte ich mich falsch in einer Studentenstadt. Als hätte ich mich selbst rausgeworfen. Ich habe vom Bus aus immer die Uni-Gebäude gesehen, wo ich meine erste Klausur verhauen hatte. Aber ich hatte mich entschieden!

„Do what is right not what is easy“.

Im Endeffekt war ich stolz über meinen Mut, darüber selbst entschieden zu haben. Und noch glücklicher als ich kurze Zeit später wieder an der neuen Hochschule immatrikuliert war.

Ich ziehe jetzt also weg. Aber ich bleibe Münsteranerin egal wo ich bin. Und ich komme für meine semesterfreie Zeit immer wieder zurück. Und auch wenn ich jetzt hier nicht studieren konnte, wünsche ich mir nach meinen Studium zurück kehren zu können und dann nie mehr gehen zu müssen.

Abschied nehmen

Erstaunlicherweise stehen fast alle meiner Freunde hinter meiner Entscheidung und unterstützen mich auch weiterhin. Ich muss mich zum Glück nicht für immer verabschieden. Da ich ja nicht auswandere. Aber ich verabschiede mich für einen bestimmten Zeitraum von vielen Menschen und der schönsten Stadt Westfalens (Nein, nicht Bielefeld). Außerdem bin ich spätestens im Sommer wieder da. Also etwa zwei bis drei mal im Jahr mindestens. Und so viel sind 200 Kilometer auch nicht.

Und dein Blog ?

Der wird sich mit mir weiter entwickeln. Er passt als persönlicher „Spielplatz“ gut zu mir und meinem Studiengang. Außerdem habe ich ihn sehr lieben gelernt. Euch erwartet in Zukunft – vor allem auch auf Instagram – abwechslungsreicher Content aus Münster und Wilhelmshaven. Neben weiterhin Motivation, Selbstwert, Selbstbewusstsein und kreativen Texten/ Bastelarbeiten kommen jetzt auch Themen rund ums Studentenleben dazu. Eben alles womit ich mich auseinandersetze, alles was auch ein Teil von mir ist. Und der Blog ist jetzt auch ein fester Bestandteil von mir.

Meine Denkanstöße für ähnliche Situationen

  1. Einfach mal Kopf aus und auf Gefühle hören
  2. Durchquälen hat auch Grenzen und ist schädlich
  3. Beratung ist in Ordnung, aber nicht zu sehr verunsichern lassen
  4. Auch nach links und rechts schauen
  5. Es gibt immer einen Weg
  6. Ein Wechsel/Abbruch ist keine Schande sondern mutig!

 

Tipps für Student/innen findet ihr übrigens hier.

 

Eure Anna

Verfasst von

Hallo, schön, dass Du auf meinem Blog vorbei schaust! Ich bin Anna, 21 Jahre und Studentin. Meine Heimat und mein Zuhause ist Münster (NRW, Deutschland). Aktuell studiere ich in Wilhelshaven (Niedersachsen, Deutschland). Ich pendel also häufig zwischen diesen beiden Städten. Euch erwartet auf meinem Blog abwechslungsreicher Content zu Selbstbewusstsein/Selbstwert, Motivation, Travel, Rezensionen und die ein oder andere Kleinigkeit zu kreativen Themen. Im Fokus stehen die Motivation und das Selbstbewusstsein! Ich möchte dich inspirieren und zum Lächeln bringen.

8 Kommentare zu „Studienabbruch? Zwischen Veränderung, Verzweiflung und Mut.

  1. Wow, das ist ja im wahrsten Sinne des Wortes ein bewegtes Leben in der letzten Zeit bei Dir. Und eine mutige Entscheidung. Wenn ich’s hier so lese, fühlt es sich für Dich aber gut an und Du bist voller Optimismus. Und in Deinem Alter sollte man sich schon die Möglichkeit einer neuen Orientierung nehmen – ist ja nicht ganz unlogisch, dass da erst einmal ein paar Erfahrungen sein müssen, um zu erkennen, wo man wirklich hin will.

    Dass Dich das Verlassen Deiner Heimatstadt schmerzt, kann ich gut verstehen. Ich bin leider bislang nur ein paar mal durch den Münsteraner Bahnhof gerauscht ubnd das ist auch schon mächtig lange her. Sonst „kenne“ ich die Stadt nur durch den „Tatort“ (mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl) und „Wilsberg“ (mit Leonard Lansink) – Wobei mich „diebisch“ interessiert, ob das herrlich verstaubte Antiquariat, in dem letzterer als Privatdetektiv „daheim“ ist, wirklich existiert. Weißt Du was darüber oder bist Du gar Kundin in diesem Antiquariat???

    Was mich aber auch interessiert: Für was für ein Studium hast Du Dich nun entschieden?

    In jedem Fall wünsche ich Dir einen guten Start ein gutes Einleben und Wohlfühlen in Wilhelmshafen (?) und bald das Gefühl, dass Du jetzt etwas gefunden hast, was sich gut und richtig anfühlt für Dich.

    Frendliche und liebe Grüße an Dich, Anna!

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    1. Hallo,
      Danke für Dein Feedback. Darüber freue ich mich wie immer sehr.

      Das Antiquariat gibt es tatsächlich, aber Wilsberg arbeitet da nicht. 😁.

      Ich studiere Medienwirtschaft und Journalismus. Wäre hätte das gedacht, dass das was mit Medien wird… 😄

      Vielen Dank und auch Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  2. Oh Anna,
    Ich verstehe dich nur zu gut! Ich hadere schon so lange mit mir und nach jedem Schritt, den ich vorwärts gegangen bin im Studium, habe ich gedacht, ich könne nicht mehr zurück. In jedem Jahr fühlt man sich älter und mehr in die Ecke gedrängt. So kurz vor dem Examen bin ich gerade auch am Überlegen, ob ich das Studium unterbreche. Geholfen hat mir bisher aus Münster heraus gezogen zu sein. In der Stadt selber sehe ich immer die Uni-Gebäude und denke mir: Hier kannst du nicht einfach so raus. Ich fühle mich schon viel freier und mal schauen, was mir dieses Jahr bringt.
    In jedem Fall wünsche ich dir für deinen Lebensweg alles Gute!

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    1. Hallo und Danke für deinen Kommentar. Ich verstehe Dich sehr gut. Und ich bin mir sicher, dass Du für Dich die richtige Entscheidung treffen wirst! Ein Studium zu unterbrechen ist auch nicht schlimm. Wir werden noch so lange arbeiten müssen. Ich wünsche Dir für Zukunft ebenfalls alles gute!
      Liebe Grüße,
      Anna

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